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21.04.2015

Die schwedische Küche

Die schwedische Küche: lokale Produkte, internationale Aromen und fortschrittliches Denken

Die schwedische Küche von heute konzentriert sich auf gesunde Produkte aus der Region und strebt nach Nachhaltigkeit. Einige Zubereitungsmethoden gehen jedoch bis auf die Wikinger zurück.

Als skandinavisches Land mit vier ausgeprägten Jahreszeiten hat Schweden eine Esskultur, die vor allem vom Klima bestimmt wird. Über Jahrhunderte ging es den Menschen im Norden darum, die frostfreie Jahreszeit von Mai bis August zum Sammeln und Kultivieren von Essbarem zu nutzen, das über den Winter gelagert werden musste. In Südschweden ist die Zeit zum Anbauen und Ernten dank der milderen Temperaturen doppelt so lang.

Credits: Tina Stafrén/imagebank.sweden.se

Eingelegt und hart gebacken: historische Methoden, die sich bewährt haben

chon die Wikinger mussten ihr Essen haltbar machen, um über den Winter zu kommen. Wohlhabende Haushalte konnten zu Methoden wie Salzen und Räuchern greifen, während ärmere Menschen ihre Fisch- und Fleischvorräte trockneten, fermentierten oder einlegten. Bis heute sind fermentierte Lebensmittel und eingelegtes Gemüse wie Gurken, Kohl und Rote Bete ein wichtiger Bestandteil der klassischen schwedischen Küche. Der eingelegte Hering (inlagd sill) ist ein Grundnahrungsmittel und gehört auch zu Ostern, Mittsommer und Weihnachten auf die festliche Tafel. 

Im Alltag kommen seit über tausend Jahren Haferbrei und Brot auf den Tisch. Die schwedische Bevölkerung im Norden vertraute früher auf Wassermühlen, die sich – je nach Frost im Winter – unter Umständen nur das halbe Jahr drehten. So musste Brot gebacken werden, das sich lange hielt, und so entstand das berühmte schwedische Knäckebrot, das über den Winter bis zur nächsten Produktion gelagert werden konnte. Im Süden, wo statt Wasser- eher Windmühlen zum Einsatz kamen, konnten die Leute häufiger backen und sich mit weichem Brot verwöhnen. 

Suovas und Husmanskost

Klassische Proteinquellen der schwedischen Küche sind Milch, Käse, Schweinefleisch, Fisch und Wild wie Elch. Rentierfleisch wurde und wird in Nordschweden vor allem als Teil der samischen kulinarischen Tradition gegessen.

Damals fand man in den Gärten Schwedens vor allem die Gemüsesorten Zwiebeln, Rüben und Steckrüben (‚rutabaga‘). Wurzelgemüse gedeiht gut im schwedischen Klima und lässt sich lange lagern – zwei wichtige Faktoren in der Zeit vor Kühlschrank & Co. Seit dem ersten Anbau um 1720 hat die Kartoffel andere Wurzelgemüse als wichtigstes Grundnahrungsmittel abgelöst. Kartoffeln sind bis heute im schwedischen Essen präsent, entweder als Pellkartoffeln oder als Püree. Die Ernte der neuen Kartoffeln (‚färskpotatis‘) markiert in Schweden den Beginn des Sommers. 

Ein wichtiger Teil der schwedischen Esskultur ist die Hausmannskost (‚husmanskost‘ oder nur ‚husman‘), also herzhafte Mahlzeiten, meistens mit Fleisch, Kartoffeln und gekochtem Gemüse. Einige Beispiele für diese klassischen schwedischen Gerichte sind: ‚Isterband‘ (geräucherte Schweinsbratwurst mit Dillkartoffeln), ‚Rotmos och Fläsk‘ (Wurzelgemüsebrei und Schweinsbratwurst) und ‚Ärtsoppa‘ (gelbe Erbsensuppe). Letztere steht gerne donnerstags auf der Karte und wird von Pfannkuchen begleitet – eine Tradition aus dem 18. Jahrhundert. 

Credits: Lieselotte van der Meijs/imagebank.sweden.se

Die internationalen Einflüsse hinter der schwedischen Küche

Ins schwedische Essen kommen überwiegend heimische Zutaten, aber viele klassische Gerichte haben einen internationalen Ursprung. Das liegt daran, dass die Schweden seit jeher gerne neue Aromen und Gerichte entdecken und mit heimischen Zutaten kombinieren, um das schwedische Essen um neue Kreationen zu bereichern.

Bereits im 17. Jahrhundert schlichen sich französische Einflüsse in die schwedische Küche ein und ließen die cremigen Saucen entstehen, die die Schweden bis heute lieben. Und das vielleicht bekannteste Nationalgericht, die Fleischbällchen (‚köttbullar‘) hat sich nicht etwa ein Wikinger ausgedacht, sondern das Rezept brachte König Karl XII. im frühen 18. Jahrhundert aus der Türkei mit. Die Schweden verliehen dem südländischen Gericht einen lokalen Touch, indem sie die Fleischbällchen mit eingelegten Gurken, Kartoffeln und Preiselbeeren ergänzten und in einer cremigen Soße (‚brunsås‘) badeten.

Und mit der Zeit haben auch mediterrane, amerikanische und nahöstliche Klassiker die Schwedische Küche erreicht, wo sie neu interpretiert und dem nordischen Gaumen angepasst werden. Ein Familienfavorit sind die Freitagstacos: von der mexikanischen Küche inspiriert und in ein einmalig schwedisches Essen verwandelt und auch Falafeln sind besonders bei einem Besuch in Schwedens drittgrößter Stadt ein Muss.

Weil man in Schweden mit den vielen Hafenstädten eine lange Geschichte als Handelsland hat, werden exotische Gewürze wie Zimt, Kardamom, Anis und Safran traditionell beim Backen verwendet. Das Resultat kennt jeder: Fika, die schwedische Kaffeepause mit jeder Menge Zimtschnecken, ein Urgestein der schwedischen Backtradition.

Credits: Magnus Carlsson/imagebank.sweden.se

Schwedische Gerichte aus den Schätzen der Natur

Heute sind die Schweden stolz auf ihre naturnahe Kost, um für ihre Gesundheit zu sorgen und dabei die Umwelt zu schonen. Sie legen beim Einkaufen Wert auf Bio-Gütesiegel, eine transparente Lebensmittelproduktion und eine artgerechte Haltung der Nutztiere. Die zunehmende Nachfrage nach lokal hergestellten Zutaten hat Supermärkte dazu gebracht, Produkte von nahe gelegenen Bauernhöfen ins Sortiment aufzunehmen. 

Die Farm-to-Table-Bewegung hat auch Schweden mitgerissen. Wenn man bedenkt, dass zwei Drittel von Schweden von Wald bedeckt sind und man sich in Schweden dank dem Jedermannsrecht an Beeren, Pilze und essbaren Pflanzen frei bedienen kann, ist in Schweden auch die Rede von „Forest-to-Table“.

Doch nicht nur auf dem Land lassen sich Schätze finden. An der Küste Westschwedens erwartet Genießer eine Reihe kulinarischer Abenteuer, wie beispielsweise Fine-Dining-Erlebnisse mit Meeresfrüchten oder eine Hummersafari.

 

2 Gedanken zu “Die schwedische Küche

  • Jenny
    an 21.04.2015

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